Wasser-Wissen




Gerbereiabwasser

(tannery wastewater) Hochkonzentriertes Abwasser welches i.d.R. enthält Fleisch- und Fettrest sowie Haare aus der Aufbereitung der Felle, verschiedene Chemikalien und u.U. Chrom in höheren Konzentrationen enthält. 

Im Einzelnen hängt die Zusammensetzung des Abwasser sehr stark von der Auswahl der Gerbstoffe beim Gerben zusammen.

Werden vegetabile oder pflanzliche Gerbstoffe eingesetzt so sind im Abwasser mit den meist gut abbaubaren Extrakten von Hölzern, Rinden und Früchten zu rechnen, welche bei der naturnahen Gerbung eingesetzt werden. Vegetabile Gerbstoffe sind die ältesten Gerbstoffe, wurden aber im Rahmen der Industrialisierung zunehmend von anderen Stoffen ersetzt.

Werden mineralische Gerbstoffe eingesetzt, so kann das Abwasser Salze verschiedener Metalle, wie Chrom, Zirkonium, Aluminium, Titan oder Eisen enthalten, wobei heute das dreiwertige Chrom die größte Bedeutung hat und bei nahezu 90 Prozent aller Leder, die weltweit gegerbt werden, eingesetzt wird. 

Beim Einsatz synthetischer Gerbstoffe ist u.a. mit Formaldehyd und Phenolen, im Abwasser zu rechnen. Synthetische Gerbstoffe werden i.d.R. nicht als Alleingerbstoffe eingesetzt (kombinierten Gerbung). 

Vegetabile Leder sind teurer als chromgegerbte, weil der Gerbvorgang doppelt so lange dauert und mehr Gerbstoff benötigt wird. Dem steht gegenüber, dass die Restflotten (Abwässer) der Gerbung nicht die Chromrückgewinnungsanlage der Abwasserreinigung durchlaufen müssen. 

Für alle Nassprozesse in der Gerberei werden ca. 20 m3 Wasser pro Tonne Rohhaut benötigt. In diesen sogenannten Brühen oder Flotten sind meist auch unlösliche Teile enthalten (z.B. Hautteile) die bei der Filtration der Abwässer Schlämme ergeben. Bei der Chromgerbung wird der verbliebene Rest-Chromgerbstoff separiert ausgefällt und filtriert. Das dabei entstehende Chromhydroxyd kann zu einem Gerbstoff aufgearbeitet und wieder verwendet werden. Der Grenzwert für die Einleitung in die Kanalisation liegt für Chrom bei 2 mg/l für Gerbereien. Um diesen Wert einzuhalten, muss in manchen Gerbereien nochmals eine Chromseparierung nachgeschaltet werden. Der dabei erhaltene Schlamm, der auch wesentliche organische Bestandteile sowie andere Salze enthält, wird entwässert und auf einer Deponie entsorgt.

Bei rein vegetabilen Schlämmen, die metallfrei sind, wäre theoretisch ein Abbau in einer Kompostierungsanlage denkbar, was aber selten umgesetzt wird.